NEWS - 24.10.2006SCC-RUNNING – Läufer des Monats (28): Carsten Meyer
Carsten Meyer, lief beim 33. real,- BERLIN-MARATHON mit der Startnummer 4280 und kam nach 7:42:28 Stunden als letzter ins Ziel – aber darüber ist er nicht traurig. „Ich wusste dass ich es kaum unter sechs Stunden schaffen würde“ und dennoch oder gerade um den inneren Schweinehund zu bezwingen war er am Ende stolz. Stolz auf sich, es trotz vielseitiger Gegenwehr geschafft zu haben. Der 44-Jährige Carsten Meyer oder wie er sich selbst als „die Kugel am Ende des Feldes“ tituliert, riss sich vor Jahren das Kreuzband im Knie und auch seine Kniescheibe sitzt nicht fest, so dass sie entweder rausspringt oder das Gelenk blockiert. Weder sprinten noch Sprünge kann er machen und deshalb musste er sich einen Trippelschritt aneignen, ähnlich einem Stolpern oder leichten Stampfen, um das Knie zu entlasten.
Doch das war an diesem Sonntag nicht das größte Manko. Bei km 14 löste sich die Sohle seines Laufschuhs – der Alptraum eines jeden Läufers. Der Besenwagen, der für ihn schon dort in Sichtweite war, half mit Klebeband aus, aber auch das konnte die Sohle nicht richtig befestigen. Die letzten 14 km hat er sie dann schließlich in der Hand getragen. „Dieses ist natürlich keine Ausrede für meine schlechte Zeit, aber ich wollte doch wenigstens ankommen, und das habe ich getan, auch wenn ich nur anfangs den Gebrselassie und später dann zumeist den Besenwagen und die Straßenreinigung vor mir her getrieben habe,“ sagte Carsten Meyer nach dem Rennen. Er bekam die Nachbereitungen des Marathons von einer neuen Perspektive mit. Von der Rheinstraße bis zum Hohenzollerndamm konnte er mit beobachten wie die Zeitnahme abgebaut wurde und bis auf ein paar Kabel, blieb ihm nichts zum überlaufen – die Matten waren, wie vorher angekündigt, ab einem bestimmten Zeitlimit weg. Die Berliner Polizei gab ab und zu noch durch, dass "ein Läufer noch auf der Strecke" sei und wünschte ihm viel Glück für den Rest der Strecke. Die Strecke wurde zunehmend leerer und auch die Versorgungsstände waren am abbauen. Aber Carsten Meyer wusste sich zu helfen. Er „schnorrte“ sich durch und die hilfsbereiten Berliner taten alles um den „Godzilla“ ins Ziel zu bekommen. Ob die Feuerwehr, die ihm vom Hydranten noch Wasser gaben, dem Blumenhändler oder die Fast-Food-Kette auf dem Ku’damm – alle halfen und wenn nur mit anfeuern und La-Olà-Wellen. Der unbedingte Wille durch das Brandenburger Tor zu laufen, „da konnte ich doch nicht aufgeben“.
Viel "Gegenverkehr" und so manche rote Ampel musste der gebürtige Berliner hinnehmen und nahe dem Ziel, wo schon die Video-Leinwände aufgrund der fortgeschrittenen Zeit abgebaut wurden, musste er sogar von der blauen Linie abweichen. Aber die anderen Läufer, die mit ihren Medaillen schon in den Cafés unter den Linden saßen, haben ihn angefeuert, und „am Brandenburger Tor hatte ich fast einen so tollen Empfang wie zur WM die Fußballspieler. Ich bin angefeuert und von mindestens 20 Leuten fotografiert worden“. So hatte er auf den letzten 200 Metern seine ganze eigene „Tour d'Honeur“. Da das Ziel aber nach sieben Stunden dicht gemacht wird, gab es für Carsten Meyer keine offizielle Zeitnahme mehr – er kam aber auf selbst gestoppte 7:42:28 Stunden. Eine Medaille hat er aber dennoch im Ziel erhalten.
„Der Weg war das Ziel, und wie ich auf der Messe an die Wand geschrieben habe, ich habe meinen letzten Platz "verteidigt" und meine Prognose hat gestimmt, Gebrselassie wurde Erster und ich Letzter. In den fast acht Stunden hatte er genug Zeit zu überlegen was er im Ziel rufen kann. In Anlehnung an den Soldaten der vor 2500 Jahren, den Athenern den Sieg über die Perser verkündet hat, bevor er zusammengebrochen ist, entschied er sich für den Spruch: "Berliner, wir haben gesiegt!", und das war nicht nur der Sieg eines jeden Läufers, „sondern auch Euer Erfolg für die Organisation und ein Gewinn für die gesamte Stadt“, lobte der eiserne Läufer am Ende. Anderen will er damit den Mut geben, auch zu versuchen, über sich selbst hinaus zu wachsen, auch in den kleinen Dingen des Lebens.
Eines versicherte er dem 33. real,- BERLIN-MARATHON noch: „Ich kann Euch beruhigen, in nächster Zeit ist an keinen weiteren Marathon gedacht, Ihr braucht also nicht so lange auf mich zu warten. Ich laufe allenfalls kürzere Strecken, und da bin ich schneller im Ziel.“
Carsten Meyers Lieblingslaufstrecke: In der Nähe von Bad Saarow lebt
Carsten Meyer und läuft gerne in dem traumhaften Geländeprofil mit Wald und
Wiesen, vielen Seen und Hügeln mit
Steigungen von unterschiedlicher Länge. Auch die Rauener Berge gehören
zu seinen Lieblingslaufstrecken, die mit über 150 Metern höher als der
Teufelsberg sind. Es geht ständig hoch und runter und auf den Wegen, die nicht
von den Touristen bevölkert sind, kann man Rehe, Raubvögel und Wildschweine in
der freien Natur sehen, ebenso wie Schmetterlinge, Käfer, Frösche und viele
Vögel. Im Herbst findet man sogar Pilze, wenn man welche mitnehmen will. Ich
bin von Reichenwalde, wo mein Gartengrundstück liegt, an den beiden Kolpiner
Seen vorbei nach Rauen gelaufen, dort die Strecke zu den Rauener Steinen weiter
nach Bad Saarow und dann wieder zurück zu meinem Garten. Die Laufstrecke ist
ca. 25 km lang. Wenn mal ein Laufinteressierter aus Berlin in die Gegend
zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow kommt, kann ich diese Laufstrecke sehr
empfehlen. Danach kann man ja in der Therme in Bad Saarow im warmen Wasser
relaxen oder auf dem Bio-Hof Marienhöhe Brötchen kaufen, oder einfach die
schöne Landschaft genießen.
Marisa Reich


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